Podiumsdiskussion: Familienpolitische Perspektiven in Chemnitz

Aus den Kommunen


Peggy Szymenderski

Für den 26. Mai 2009 lud der Stadtelternrat Stadträte und Stadträtinnen sowie StadtratskandidatInnen aller demokratischen Parteien und Wählervereinigungen ein, um mit ihnen über ihre Pläne und Vorstellungen für die kommende Legislaturperiode in Sachen städtischer Familienpolitik zu sprechen.

Auf dem Podium waren vertreten: Annekathrin Giegengack (Bündnis 90/die Grünen), Ines Saborowski-Richter (CDU), Jörg Hopperdietzel (Die Linke), Peggy Szymenderski (SPD), Thomas Uhl (SPD), Hans-Peter Spitzner (FDP), Dirk Viertel (Liste C) sowie Ines Hetzel (Perspektive).

Nach einer kurzen Vorstellungsrunde auf dem Podium und mehr oder weniger langen Abrissen aus den jeweiligen Parteiprogrammen, wurde sehr schnell deutlich, was Eltern und ErzieherInnen in Chemnitz bewegt. Bemängelt wurden u.a. die fehlenden personellen Ressourcen für die 7,5 Stunden Regelung und für das kostenfreie Vorschuljahr mit einer 9-Stunden-Betreuung, der aktuelle Betreuungsschlüssel von 1:13, die Verpflegung der Kinder in den Einrichtungen sowie der schlechte bauliche Zustand von einigen Kindergärten und Schulen. Eltern müssten viel in Eigenleistung erbringen, damit der Kindergartenbetrieb zumindest aufrechterhalten werden kann. Kritisiert wurde zudem die Arbeit der städtischen Verwaltung. Den anwesenden Eltern und ErzieherInnen ist es wichtig, dass die Themen öffentliche Kinderbetreuung und Bildung in Kindergärten und Schulen für Stadtrat und Verwaltung höhere Priorität erlangen, um endlich die Missstände in diesem Bereich anzupacken und zu beseitigen.

Aus der Diskussion mit den Eltern, die teilweise sehr emotional und lautstark zuging, ergibt sich für die SPD ein klarer Auftrag. Notwendig sind: eine gute Personalausstattung, die Erzieherinnen und Erziehern ausreichend Zeit für die Beschäftigung mit den Kindern bietet, eine sozial verträgliche Gestaltung der Elternbeiträge, die Förderung benachteiligter Kinder, eine Öffnung der Kitas an Samstagen, in den Früh- und Abendstunden sowie in den Ferien, die Ergänzung der Betreuungsangebote durch den Ausbau qualifizierter Tagespflege sowie die Einrichtung von eigenverantwortlichen Budgets in den Kitas, damit sie selbst schnell und unbürokratisch kleinere Anschaffungen vornehmen können. Es ist wichtig dafür zu kämpfen, dass es in diesem Bereich keine weiteren finanziellen Kürzungen gibt. Dazu braucht es eine familienfreundliche Kultur in der Stadt - von der Verwaltung bis zu jedem einzelnen Einwohner - durch die man ein tatsächliches Verständnis für die Belange von Eltern und Kindern erreicht. Mit einer stärkeren Wertschätzung des Themas insgesamt, können wir mehr erreichen.

An Grenzen stoßen die Stadträtinnen und Stadträte jedoch auf die Forderung der Eltern, die Arbeit der Stadtverwaltung stärker zu kontrollieren. Vielmehr sind auch die StadträtInnen bei ihrer Arbeit auf die Zuarbeit und Vorlagen aus der Verwaltung angewiesen. Es war sehr schade, dass kein/e VertreterIn aus der Verwaltung zu dieser Diskussion eingeladen wurde, um zu den Vorwürfen aus dem Stadtelternrat, bspw. über die tatsächlichen Betreuungsbedingungen in den einzelnen Kitas nicht Bescheid zu wissen, Stellung zu nehmen. Stellvertretend wurden die anwesenden StadträtInnen und StadtratskandidatInnen in die Pflicht genommen, denen jedoch in diesem Zusammenhang die Hände gebunden sind.

Deutlich wurde in dieser Diskussion die Wichtigkeit, dass die betroffenen Eltern selbst immer wieder ihre Anliegen an Stadtverwaltung und Stadtrat herantragen - z.B. in Form von solchen Diskussionsveranstaltungen - und mit Penetranz versuchen, ihre Interessen durchzusetzen. Dazu braucht es einen langem Atem, aber dass sollten uns unsere Kinder wert sein. Zudem ist der Stadtrat darauf angewiesen, dass die Eltern vor dem Hintergrund ihrer täglichen Erfahrungen als Experten für Probleme in der öffentlichen Kinderbetreuung auftreten und die StadträtInnen durch ihr Fachwissen auf diese Missstände aufmerksam machen. Aufgrund der Breite der Themengebiete, die eine Stadtratstätigkeit mit sich bringt, sind die Agierenden auf diese Unterstützung angewiesen. Die existierenden Probleme kann man nur gemeinsam angehen. Damit einhergehen muss eine stärkere gegenseitige Anerkennung des ehrenamtlichen Engagements von Eltern und StadträtInnen. Die Stadtverwaltung muss dabei von beiden Seiten immer wieder in die Pflicht genommen werden.

 
 

Constanze Krehl

 
 
 

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Das Problem ist: Mach einem Bekloppten klar, dass er ein Bekloppter ist!
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